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	<title>minimeta material &#187; antideutsch</title>
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		<title>Paulus und sein Christos</title>
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		<pubDate>Wed, 18 Feb 2009 11:32:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>caribu</dc:creator>
				<category><![CDATA[Messianismus]]></category>
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		<category><![CDATA[Alain Badiou]]></category>
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		<category><![CDATA[Jacob Taubes]]></category>
		<category><![CDATA[Religion]]></category>
		<category><![CDATA[Walter Benjamin]]></category>

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		<description><![CDATA[Paulus scheint ein wichtiger Fokuspunkt für die Frage nach dem Messianismus zu sein. Dabei ist es interessant, sowohl seinen missionarischen Eifer als auch seine philo- bzw. polito-theologischen Argumente für seinen Messias und ihre aktuellen Interpretationen zu betrachten. Für Agamben (&#8220;Die Zeit die bleibt&#8220;) eröffnet das messianische Ereignis einen Blick auf ein anderes Verständnis von Zeit, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Paulus scheint ein wichtiger Fokuspunkt für die Frage nach dem Messianismus zu sein. Dabei ist es interessant, sowohl seinen missionarischen Eifer als auch seine philo- bzw. polito-theologischen Argumente für seinen Messias und ihre aktuellen Interpretationen zu betrachten.</p>
<div id="attachment_191" class="wp-caption alignnone" style="width: 160px"><img class="size-thumbnail wp-image-191" title="el_greco_st_paul" src="http://blog.minimeta.de/wp-content/uploads/2009/02/el_greco_st_paul-150x150.jpg" alt="Hl. Paulus von El Greco" width="150" height="150" /><p class="wp-caption-text">Hl. Paulus von El Greco</p></div>
<p><span id="more-186"></span>Für Agamben (&#8220;<a title="Perlentaucher: Die Zeit die bleibt" href="http://www.perlentaucher.de/buch/24199.html" target="_blank">Die Zeit die bleibt</a>&#8220;) eröffnet das messianische Ereignis einen Blick auf ein anderes Verständnis von Zeit, für Alain Badiou (&#8220;<a title="Diaphanes Verlag: Paulus - Die Begründung..." href="http://www.diaphanes.de/scripts/buch.php?ID=33" target="_blank">Paulus &#8211; Die Begründung des Universalismus</a>&#8220;), ist weniger das Ereignis an sich interessant, sondern die radikale Geste (bei Badiou &#8220;Wahrheitsprozess&#8221;), mit der sich Paulus zu diesem Ereignis verhält. Während Agamben in erster Linie versucht, die Gedanken des Paulus zu rekonstruieren, ist es Badious erklärtes Ziel, sie für die heutige Debatten nutzbar zu machen:</p>
<blockquote><p>Wenn ich heute auf ein paar Seiten die Einzigartigkeit dieser Verbindung [zwischen radikalem Bruch und Denken über diesen Bruch] bei Paulus nachdenken will, dann sicherlich deshalb, weil gegenwärtig überall [...] die Suche nach einer neuen militanten Figur zu spüren ist, einer Figur, die berufen wäre, derjenigen nachzufolgen, die am Beginn des Jahrhunderts Lenin und die Bolschewisten verkörpert haben&#8230;</p></blockquote>
<p>Badiou will intervenieren, genauso wie Paulus (und nach ihm Marx, Lenin etc, denen ja auch ein messianistischer Geist unterstellt wird) intervenierte. Die Frage nach dem messianistischen Elementen in Badious interventionistischen &#8220;Wahrheitsprozess&#8221; über die Universalität scheint sich ihm nicht zu stellen. In dieser Feststellung geht es nicht darum, die Leistung des Paulus zu verneinen, die in der radikalen Grenzüberschreitung der sozialen und ethnischen Kategorien der antiken Welt liegt, sondern es geht wieder um die Geste, diesmal die Badious, mit der er sich zu seinen Thesen zum Universalismus verhält.</p>
<p>Im Grunde genommen ist Badiou damit in die Falle des Messianismus gegangen. Einer Falle, der Agamben weitgehend entgeht, sowohl durch seinen rekonstruktiven Stil als auch durch den Bezug auf Walter Benjamins These vom &#8220;<a title="Volksbühne Berlin: Kapitalismus als Reigion" href="http://www.volksbuehne-berlin.de/theorie/produktionstexte/schuld_und_suehne/walter_benjamin/" target="_blank">Kapitalismus als Religion</a>&#8220;. Denn:</p>
<blockquote><p>Es liegt im Wesen dieser religiösen Bewegung, welche der Kapitalismus ist, das Aushalten bis ans Ende, bis an die endliche völlige Verschuldung Gottes, den erreichten Weltzustand der Verzweiflung auf die gerade noch gehofft wird.</p></blockquote>
<p>Diese Trinität aus Verzweiflung, Hoffnung und Teleologie ist auch der Hauptbestandteil des Messianismus, womit deutlich wird, dass auch die kapitalistische Religion nach Walter Benjamin messianistisch zu denken ist. Wo aber eine turbo-christliche Religion zu einem Gesellschaftsverhältnis so monströsen Charakters wie dem Kapitalismus verdinglicht worden ist, ist Mißtrauen gegenüber ihren Gründungsmythen äußerst angebracht. Die gegenwärtige Debatte aber über den Messianismus wird nicht müde, den Messianismus auf seine emanzipatorischen Bestandteile abzuklopfen. Gerhard Scheit z.B. behauptet in <a title="ca ira: Gerhard Scheit - Suicide Attack" href="http://www.isf-freiburg.org/verlag/buecher/scheit-suicide.html" target="_blank">Suicide Attack</a>:</p>
<blockquote><p>Ohne den Impuls des jüdischen Messianismus gibt es keine Kritik. [...] Dieser Impuls [...] bedeutet an sich etwas durchaus Abstraktes: dass ein anderes Leben möglich ist&#8230;</p></blockquote>
<p>Mir scheint, mehr Vorsicht wäre hier angebracht, insbesondere wenn die Scholem&#8217;sche scharfe Trennung von jüdischem und christlichen Messianismus wirklich hinfällig ist, wie <a title="Wikipedia: Jacob Taubes" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Jacob_Taubes" target="_blank">Jacob Taubes</a><sup><a href="#footnote1">1)</a></sup> in &#8220;<a title="Google Books: Der Preis des Messianismus" href="http://books.google.de/books?id=udsgC1gIeRYC" target="_blank">Der Preis des Messianismus</a>&#8221; behauptet. Vermutlich ist es notwendig, die Rezeption des Messianismus auch unter dem Aspekt des historischen Materialismus zu interpretieren. Die Frage müßte also lauten, was bedeutet Messianismus geschichtlich im Kontext der jeweiligen Klassenverhältnisse.</p>
<p>Das wäre eine Aufgabe, die noch zu leisten ist, oder zu der mir zumindest der theoriegeschichtliche Überblick fehlt. Als Arbeitshypothese könnte vielleicht folgendes dienen: Messianismus als Erwartung der Erlösung aus einer Gruppe heraus entspricht viel eher den Kräfteverhältnisse der Moderne, als denen der Postmoderne. So gesehen ist der Messianismus vorallem eine Organisationsfrage, und sich heute positiv auf ihn zu beziehen, scheint vor allem eins zu sein: nostalgisch.</p>
<p><em><sup><a name="footnote1">1)</a></sup> auf Jacob Taubes bin ich mal wieder durch die Jungle World aufmerksam gemacht worden. Fast scheint es, als ob der Scholem sehr kritisch gegenüberstehende Taubes in einer Art &#8216;gegenstrebigen Fügung&#8217; als erweiterte Antwort auf die <a title="artikel zum thema antideutsch auf diesem blog" href="http://blog.minimeta.de/tag/antideutsch/">kurze Debatte</a> über die Grundlagen antideutscher Ideologie in der Jungle World rezensiert wurde</em></p>
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		<title>Antideutsch da capo al fine</title>
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		<pubDate>Mon, 01 Sep 2008 08:47:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>caribu</dc:creator>
				<category><![CDATA[Reviews]]></category>
		<category><![CDATA[antideutsch]]></category>
		<category><![CDATA[Stephan Grigat]]></category>

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		<description><![CDATA[&#8220;Nonono&#8221; hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass ich wohl in meinem Ärger über den Politik- und Diskussionsstil einiger Antideutscher im Allgemeinen und Grigats Artikel im Besonderen über das Ziel hinausgeschossen bin. In jedem Fall hat Grigats Artikel bzw. die Antwort Way/Wirners darauf sowohl in mir als auch in einer ganzen Reihe anderer heftige Reaktionen ausgelöst. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8220;<a title="Minimeta Material: Kommentare zu Leninisten mit Klappe" href="http://blog.minimeta.de/2008/08/leninisten-mit-klappe/#comments">Nonono</a>&#8221; hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass ich wohl in meinem Ärger über den Politik- und Diskussionsstil einiger Antideutscher im Allgemeinen und <a title="Jungle Word: Dossier von Stephan Grigat" href="http://jungle-world.com/artikel/2008/32/22377.html" target="_blank">Grigats Artikel</a> im Besonderen über das Ziel hinausgeschossen bin.</p>
<p>In jedem Fall hat Grigats Artikel bzw. die <a title="Jungle Word: Way / Wirner" href="http://jungle-world.com/artikel/2008/33/22445.html" target="_self">Antwort Way/Wirners</a> darauf sowohl in <a title="Minimeta Material: Antideuschland strikes back" href="http://blog.minimeta.de/2008/08/strikes-back/" target="_self">mir</a> als <a title="Google: way wirner juden als nützliche idioten" href="http://www.google.de/search?q=way+wirner+juden+als+n%C3%BCtzliche+idioten" target="_self">auch</a> <a title="Jungle World: Kommentare zu Scheit: Eleminierung der Widersprüche" href="http://jungle-world.com/artikel/2008/34/22487.html#c" target="_self">in</a> <a title="Jungle World: Leserbriefe" href="http://jungle-world.com/artikel/2008/34/22461.html" target="_blank">einer</a> <a title="Blog von Ingo Way" href="http://ingoway.wordpress.com/2008/08/15/dialektischer-antizionismus-oder-juden-als-nutzliche-idioten/" target="_self">ganzen</a> <a title="Wartezeit überbrücken bis zum Communismus: Kein Sex mit dem Ex 2" href="http://waiting.blogsport.de/2008/08/14/kein-sex-mit-dem-ex-ii-exkommunikation-und-instrumentalisierung-2/" target="_blank">Reihe</a> anderer heftige Reaktionen ausgelöst.</p>
<p>Was ist also dran?</p>
<p><span id="more-56"></span>Grigat erhebt im Anschluss an andere Antideutsche die Forderung nach Solidarität mit Israel zu einem kategorischen Imperativ. Und Way / Wirner zeigen ganz folgerichtig auf, dass sich daraus kein differenziertes Verhältnis zum Staat Israel im Allgemeinen und zu einzelnen Juden im Besonderen entwickeln läßt. Es ist das Wesen kategorischer Imperative, nicht sonderlich differenziert zu sein. Das will nicht unbedingt sagen, dass der kategorische Imperativ falsch sei, aber er ist sicher nicht ausreichend.</p>
<p>Ebenfalls richtig scheint mir bei Way / Wirner, die Verbindung von Messianismus und politischer Theorie zu problematisieren. Den lt. Scheit von Way / Wirner völlig falsch dargestellten Norman Cohn werde ich wohl mal selber lesen. Schon jetzt scheint mir aber klar, dass ein &#8216;politischer Messianismus&#8217; sich auf der einen Seite gegen Religion und auf der anderen Seite gegen Avantgardismus bis hin zum Führerkult abgrenzen muss.</p>
<p>Dies gesagt, bleibt noch festzuhalten, dass ich mit meiner Attacke gegen die &#8216;Antideutschen&#8217; wohl etwas besser hätte zielen sollen, und nicht allen Antideutschen per se Leninismus hätte unterstellen sollen.</p>
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		<title>The Antideutschland strikes back</title>
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		<pubDate>Sun, 24 Aug 2008 15:35:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>caribu</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Der Jungle World Artikel, über den ich mich in &#8216;Leninisten mit Klappe&#8216; geärgert habe, ist offensichtlich auch anderen Leuten sauer aufgestossen. Eine Woche später erschien in der Jungle World eine Antwort: Juden als nützliche Idioten von Ingo Way und Stefan Wirner. Es ist eine recht polemische Auseinandersetzung mit Grigats Dossier, dessen Hauptvorwurf lautet: Die Antideutschen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der Jungle World Artikel, über den ich mich in &#8216;<a title="minimeta material: Leninisten mit Klappe" href="http://blog.minimeta.de/2008/08/leninisten-mit-klappe/" target="_blank">Leninisten mit Klappe</a>&#8216; geärgert habe, ist offensichtlich auch anderen Leuten sauer aufgestossen. Eine Woche später erschien in der Jungle World eine Antwort: <a title="Jungle World: Juden als nützliche Idioten" href="http://jungle-world.com/artikel/2008/33/22445.html" target="_blank">Juden als nützliche Idioten</a> von Ingo Way und Stefan Wirner. Es ist eine recht polemische Auseinandersetzung mit Grigats Dossier, dessen Hauptvorwurf lautet: Die Antideutschen würden Juden als Rechtfertigung für ihre Thesen benutzen und sich einer Auseinandersetzung mit ihnen gleichzeitig verweigern.</p>
<p>Schon als ich den Artikel las, dachte ich mir: Da gibts bestimmt eine Antwort und so geschah es dann auch. Von den <a title="Jungle World: Leserbriefe" href="http://jungle-world.com/artikel/2008/34/22461.html" target="_blank">vier Leserbriefen</a> in der aktuellen Jungle World (34/2008) sind vier &#8216;kritische&#8217; Antworten auf Way/Wirner. Wieviele von den vieren direkt zur antideutschen K-Gruppe gehören und wieviele nur damit sympathisieren, war auf die Schnelle nicht mehr festzustellen. Eine Google-Suche ist zumindest bei <a title="Google: Regitz antideutsch" href="http://www.google.de/search?hl=de&amp;client=firefox-a&amp;rls=com.ubuntu%3Ade%3Aunofficial&amp;hs=j1w&amp;q=Hartmut+Regitz+antideutsch&amp;btnG=Suche&amp;meta=" target="_blank">Regitz</a> erfolgreich, der offensichtlich schon einiges Einschlägiges verfasst hat. Keiner der Leserbriefschreiber geht auf Way/Wirners Kernthese ein, stattdessen regen sich alle über die abfälligen Bemerkungen der beiden bezüglich Kommunismus auf. So wie sich Way/Wirner zu Kommunismus äußern, würde ich auch widersprechen, aber der Leninimus-Kommunismus der K-Anti-Deutschen kann mir sicher auch gestohlen bleiben.</p>
<p><span id="more-43"></span>Lange Vorrede, aber nun zu <a title="Jungle World: Eliminierung der Widersprüche" href="http://jungle-world.com/artikel/2008/34/22487.html" target="_blank">Gerhard Scheits Text</a>. Zuerst einmal fällt auf, dass auch Scheit sich der Auseinandersetzung mit Way/Wirner zu ihrer Kernthese entzieht. Er übergeht sie nicht mit Schweigen wie die Leserbriefschreiber, sondern er diskreditiert sie, indem er Way/Wirner vorwirft, die Thesen Grigats falsch bzw. entstellt wiederzugeben. Das ist aber nicht so leicht, und deshalb muss in die Mottenkiste gegriffen werden. Zuerst wird den beiden Übertreibung in einer Nebensächlichkeit vorgeworfen, und dann die Kernthese ohne weitere Argumente verworfen:</p>
<blockquote><p>Wenn Stephan Grigat schreibt, »der eine oder die andere Antideutsche jüngeren Semesters sollte besser Adorno lesen als eifrig He­bräisch pauken«, macht daraus die Anklage, es werde »der Boykott von Hebräisch-Kursen empfohlen«. Nach dieser Methode wird ihm unterscho­ben, dass er den Zionismus als »Irrweg« sehe und Israel als das Resultat »falscher Schlüsse«, wel­che die Juden aus dem Holocaust gezogen hätten. Das ist vor dem Hintergrund dessen, was Gri­gat geschrieben hat, so grotesk, dass eigentlich nur noch der Verdacht fehlt, er und seine »Mitstreiter«, wie übrigens auch der Mossad, seien vom Iran finanziert.</p></blockquote>
<p>Der schon in diesem Zitat auffällige gehässige und wohl kaum einer Diskussion würdige Stil zieht sich auch in Anwürfen wie &#8220;infamer Irrsinn&#8221; weiter durch Scheits Text.</p>
<p>Interessant ist, dass Scheit den beiden vorwirft, was meiner Meinung nach doch für die Antideutschen gilt: Parteisoldaten zu sein ohne Partei. Scheit selber scheint sich seiner Autoritätshörigkeit jedenfalls nicht bewusst, will aber den Staat verteidigen:</p>
<blockquote><p>Und wenn es einen Fortschritt gab in der anti­deutschen Kritik, dann betrifft er die Fähigkeit, mit den Augen des Westens zu sehen: zu erkennen, dass Staat nicht gleich Staat ist und die liberale bürgerliche Gesellschaft verteidigt werden muss – ohne darum auszublenden, dass diese Gesellschaft nicht nur ihre Versprechen nicht erfüllen kann, sondern sich in der Krise selbst ad absurdum zu führen droht.</p></blockquote>
<p>Für mich passt es jedenfalls ins Muster. Den Staat verteidigen und den Staat als Schutzmacht in Anspruch nehmen, das sind jedenfalls keine revolutionären Vorhaben, das ist pure leninistische Politik. Sowas kann nur wollen, wer glaubt, schon das richtige Bewusstsein erreicht zu haben. Und in der Tat:</p>
<blockquote><p>Wer das einzig notwendige, »notwendig falsche« Bewusstsein des Zionismus wirklich gewonnen hat, wird für solche Insinuationen ohnehin nicht anfällig sein.</p></blockquote>
<p>Ein solches Urteil lässt sich wohl nur von dem Standpunkt des richtigen Bewusstseins her fällen. Die Vorstellung, dass das richtige Bewusstsein erst im Kampf für Befreiung und gegen das Kapital und seinen Staat entsteht, war den Leninisten schon immer nur Lippenbekenntnis, denn die-Partei-die-Partei-die-hat-immer-recht und die Partei ist ihnen Trägerin des richtigen Bewusstseins lange vor der Revolution. So offensichtlich auch für Scheit.</p>
<p>Was auch immer Scheit da schreibt, das Niveau von lesenswerter Kritik erreicht er selten.</p>
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		<title>Leninisten mit Klappe</title>
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		<pubDate>Wed, 13 Aug 2008 08:52:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>caribu</dc:creator>
				<category><![CDATA[Reviews]]></category>
		<category><![CDATA[antideutsch]]></category>
		<category><![CDATA[Stephan Grigat]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Antideutschen Die Antideutschen sind die Wiedergänger in der deutschen Linken. Die Auflösung der autonomen Szene und den Niedergang der von Bürgersöhnen und -töchtern dominierten BRD-Linken der 80&#8242;ger und 90&#8242;ger haben sie durch einen wohl-erprobten Trick überlebt: Bildung einer (oder zählt man die Verwurflinien innerhalb der Anti-Deutschen mit, dann sogar mehrere) K-Gruppen. Eine K-Gruppe, das [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die Antideutschen</strong></p>
<p>Die Antideutschen sind die Wiedergänger in der deutschen Linken. Die Auflösung der autonomen Szene und den Niedergang der von Bürgersöhnen und -töchtern dominierten BRD-Linken der 80&#8242;ger und 90&#8242;ger haben sie durch einen wohl-erprobten Trick überlebt: Bildung einer (oder zählt man die Verwurflinien innerhalb der Anti-Deutschen mit, dann sogar mehrere) K-Gruppen.</p>
<p>Eine K-Gruppe, das bedeutet Leninismus. Die Gemeinsamkeiten der Antideutschen mit dem Leninismus sind sowohl taktischer als auch inhaltlicher Natur. Folgende drei Stichpunkte sollen erstmal als Charakterisierung reichen:</p>
<ol>
<li>Autoritätsgläubigkeit</li>
<li>Festhalten an der Avantgarde-Theorie</li>
<li>Parteibildung</li>
</ol>
<p><span id="more-24"></span>Die folgenden Zitate sind alle aus: <a title="Jungle World: Mit Wimpeln..." href="http://jungle-world.com/artikel/2008/32/22377.html" target="_blank">&#8216;Mit Wimpeln und Mützchen&#8217;, Jungle World Nr. 32, 7.8.08</a> von Stephan Grigat.<br />
Der Titel zielt auf den Artikel &#8216;<a title="nadir: 883 Archiv, pdf-link" href="http://plakat.nadir.org/883/ausgaben/agit883_86_06_12_1971.pdf" target="_blank">Leninisten mit Knarre</a>&#8216; aus der 883 vom Dezember 1971 über die RAF.</p>
<p><em>Autoritätsgläubigkeit:</em></p>
<blockquote><p>Und der eine oder die andere Antideutsche jüngeren Semesters sollte besser Adorno lesen als eifrig Hebräisch zu pauken.</p></blockquote>
<p>Eine recht verächtliche Bemerkung über Novizen, die die wahre Lehre (noch) nicht verstanden haben, in der natürlich der Verweis auf die wirkliche Vaterfigur nicht fehlen darf. Hier sollen sich Leute erstmal ihre Sporen verdienen, scheint es.</p>
<p>Und bitte den unglaublichen Anmerkungsapparat beachten, der in einem Zeitungsartikel nichts zu suchen hat. Eine geradezu anal gewordene Autoritätsgläubigkeit. Und dann fehlen ausgerechnet bei den Stellen, die dunkel bleiben, die Anmerkungen. Z.B. die Rede vom &#8220;Marxschen und den Adornoschen kategorischen Imperativ&#8221;. <a title="Wikipedia: Kategorischer Imperativ" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Kategorischer_Imperativ" target="_blank">Kategorischer Imperativ</a>, das ist Kant. Adornos Imperativ, das bezieht sich wohl auf die Forderung, alles zu tun, damit sich Auschwitz nicht wiederholen kann. Und jetzt, nachdem ich <a title="Wikiquote: Kategorischer Imperativ" href="http://de.wikiquote.org/wiki/Kategorischer_Imperativ" target="_blank">google befragt</a> habe, scheint es sich bei Marx&#8217; Imperativ um eine Schlussfolgerung aus seiner Kritik der Religion zu handeln, nach der der Mensch das höchste Wesen sei, und deshalb alle Verhältnisse umzustürzen seien, in denen der Mensch &#8220;ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist&#8221;.</p>
<p><em>Avantgarde:</em></p>
<blockquote><p>[J]ede Kritik am Kapital ist daran zu messen, ob sie, als ihr theoretisches Zentrum, dessen negative Selbstaufhebung in manifester Barbarei als eine wiederholbare Konstellation auf den Begriff zu bringen vermag und zum Angelpunkt der Agitation macht.</p></blockquote>
<p>Wer agitieren will, weiss es besser. Hier soll nicht kommuniziert, sondern überrumpelt werden. Ein Stil, der sich im Übrigen durch den ganzen Artikel zieht.</p>
<p><em>Parteibildung:</em></p>
<blockquote><p>Mit der Zeit hat sich eine eigenständige Strömung gesellschafts­kritischen Denkens etabliert, die sich der Aufmerksamkeit des deutschen Verfassungsschutzes ebenso sicher sein kann wie jener von österreichischen, deutschen und israelischen Tageszeitungen.</p></blockquote>
<p>Die Grenzen sind klar, hier die Eigenständigkeit, dort die Bewunderer. Viel Feind viel Ehr, was? Die Antideutschen, mit Zentralorgan &#8216;Bahamas&#8217; auf der einen Seite und den Kritikern auf der anderen Seite.</p>
<p>Schlussendlich: Wie unehrlich ist es wohl, die Chimäre einer Debatte zu malen, die nach Grigats eigenen Worten (&#8220;All diesen Vorwürfen ist eines gemeinsam: Sie gehen an keiner Stelle auf die Textproduktion der antideutschen Ideologiekritik ein.&#8221;) keine ist. Nach dem Lesen hat man den Eindruck, mit einem Politiker gesprochen zu haben, der auf jede Frage antwortet: &#8216;Ja, aber die Frage ist falsch gestellt&#8230;&#8217; um dann in aller Seelenruhe die Frage zu ignorieren und seine eigene Agenda herunterzuleiern.</p>
<p>Mal sehen ob ich es durchhalte, aber mit diesem Beitrag beginnt eine Reihe kurzer Artikel über den antideutschen Autor Stephan Grigat, der u.a. in der Jungle World schreibt.</p>
<p>Die Artikel werden insofern kurz sein, als das sie in erster Linie das (natürlich subjektiv gemessene) Verhältnis von Schaum zu Inhalt einzelner Jungle-World-Artikel von Stephan Grigat aufzeigen werden. Denn bei all dem Ärger über die antideutschen Posen: manchmal haben sie auch wichtiges zu sagen.</p>
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